"Arkadische Hochzeit" im Ilmpark. Foto: Claus Bach

Liebeserklärung an eine Stadtschönheit

Seit 30 Jahren gewährt die ACC Galerie Weimar den Lebenslustigen, Sinnsuchern und eiskalten Realisten der Stadt Asyl.

Die ACC Galerie Weimar entstand 1988 quasi aus dem Nichts in einem instandbesetzten Goethehaus in Weimars Mitte – ein bis heute nicht ausgeträumter Traum. Was mit Kostümpartys und Ausstellungen von Milchverpackungen oder Comics begann, fand seine Fortsetzung mit Ausstellungen von Photographien am Bauhaus oder Paul Klees Weimarer Werken.

Bereits in den 1990ern war das ACC bekannt für seine Seitensprünge, entdeckte das Weimarer E-Werk und Straßenbahndepot als kulturelle Spielstätten, in denen es Poetry Slams und Theatertage veranstaltete. Selbst die 1991er Geburt des Seifenkistenrennens Spacekidheadcup geht auf ACC-Aktivist(inn)en der ersten Stunde (Gabi Hultsch und Peter „Auge“ Lorenz) zurück. 

Inzwischen zelebriert das ACC am 1. Mai sein alljährliches Sternbrückenfest, eine „Liebeserklärung an eine Stadtschönheit“ mit Musik, Kaffee, Kuchen, Suppe und Brezeln. Ein Stelldichein anderer Art sind die Arkadischen Massenhochzeiten ganz in der Nähe, am Naturquell des Ochsenauges im Ilmpark, bei denen sich zueinander hingezogen fühlende Menschen „auf platonischem Level“ vermählen können. Lebenslustige erhalten Visa. Sinnsuchern und eiskalten Realisten wird Asyl gewährt, um nicht das Weite suchen zu müssen.

Das wiederum steuern die ACC Busentdeckungstouren ins Außen vor an, zu den Rändern Weimars, an Orte fern des Rampenlichts öffentlicher Wahrnehmung, und kehren damit die Idee der klassischen Stadtrundfahrt einfach um. 

Wieder im ACC, kann man mit Anke Heelemann von der Weimarer Fotothek einen improvisierten Lichtbildererzählabend der Reihe Der Freund und der Fremde gestalten – es gilt, aus dem Stegreif zu zehn zusammenhanglosen, gefundenen Dias binnen zehn Minuten eine Geschichte zu erfinden. Und zu den Silent Partys verwandelt sich die Galerie in ein Tanzlokal. Ob rhythmisch oder aus der Reihe getanzt: Sich bei eigener Kanalwahl ausdrucksstark bewegend in kompletter Stille Kunstwerken zu nähern, ist eine ganz eigene Erfahrung die wahren Abenteuer sind im Kopf(hörer).