LAND DER GRENZGÄNGER

Jenseits des Rennsteigs ist vieles anders als im Rest von Thüringen. Die Bratwürste haben hier ihre ganz eigene Note, genauso wie die Dialekte. Durch die geografische Lage – im Norden die Höhen des Thüringer Waldes und im Süden und Westen viele Jahrzehnte die innerdeutsche Grenze – war die Region lange Zeit auf sich gestellt. Die langen Winter trugen das ihrige dazu bei.

Die Abgeschiedenheit brachte aber auch jede Menge Schöpfertum und Erfindergeist hervor: Hier wurde das erste Glasauge hergestellt, die hiesige Spielzeug- und Weihnachtsschmuckindustrie lieferte ihre Produkte in die ganze Welt. Aber sie förderte auch die sprichwörtliche Eigenwilligkeit der Südthüringer. Bis heute ist man sich in Sonneberg nicht ganz sicher, ob man eher zu den Thüringern oder doch zu den Franken gehört.

Die soziokulturellen Hotspots des Landstrichs hingegen zeichnen sich durch Geradlinigkeit, Weltoffenheit und regionale Verwurzelung aus. In der Goetheschule in Lauscha treffen sich Punks und Glasbläser zum Stelldichein. Die Kulturbaustelle Suhl bietet Raum für australische Singer-Songwriter und Ukulelenorchester. Und die Villa K in Schmalkalden bringt internationales Streetart-Flair in den Thüringer Wald.